Newsletter April 2011

Das kleine „1 mal 1“ der Interkulturellen Kompetenz

Das kleine 1 mal 1 der interkulturellen Kompetenz, Newsletter Fix International ServicesIn keinem Land der Welt gibt es so viele „Verhaltens-Ratgeber“ wie in Deutschland. Und nirgends scheint die Sorge verbreiteter – beruflich oder privat – fehlerhaft zu handeln. Umso größer ist bei vielen Käufern die Hoffnung, in diesen Benimm- und Karriere-Ratgebern anwendbare Regeln zu finden, besonders, wenn es um Auslandseinsätze geht. Aber: Kann man sich interkulturelle Kompetenz erlesen? „Die Erwartung, durch gedruckte Regelwerke erfolgreiche Wege durch das Dickicht menschlicher Kommunikation zu finden, wird in der Realität nicht erfüllt. Interkulturelle Kompetenz hat mit Einfühlungsvermögen, Toleranz und auch der Fähigkeit zur Selbstkritik zu tun. Nichts anderes meinte der Freiherr von Knigge, als er vor über 200 Jahren über die Weltklugheit“ schrieb und dabei bloße Verhaltensvorschriften ablehnte,“ ist Bettina Kertscher, Geschäftsführerin von Fix International Services, überzeugt.
Und auch Prof. Dr. Seukwa – Träger des international ausgeschriebenen „Höffmann Wissenschaftspreises für Interkulturelle Kompetenz“ bringt es auf den Punkt: „Interkulturelle Kompetenz beschreibt eine Reflexions- und Handlungsfähigkeit, die es erlaubt, in der Begegnung mit Menschen anderer ethnischer, kultureller und religiöser Herkunft konstruktiv zu agieren“ (siehe Interview). Das klingt einleuchtend, ist aber in der Realität gar nicht so leicht, wie die steigende Zahl von Projektruinen internationaler Kooperationen belegen: „Es hakte in der Kommunikation!“ klagen am Ende die Beteiligten. Und dann sollen Bücher helfen. Kaum ein Titel, der sich nicht auf Adolph Freiherr von Knigge beruft. Doch der wird dabei  schlicht zum Opfer eines Etikettenschwindels. Denn Knigge hat nichts über den Gebrauch von Messer und Gabel geschrieben und nichts über den richtig platzierten Handkuss. 1788 hatte er in seiner Gesellschaftslehre „Über den Umgang mit Menschen“ sinnvolle Formen gesellschaftlichen Miteinanders formuliert und, kurz vor der Französischen Revolution, auch die Lernziele heutiger Karrieretrainer genannt: „Die Gabe, sich gleich bei der ersten Bekanntschaft vorteilhaft dazustellen, mit Menschen aller Art zwanglos sich in Gespräche einzulassen und bald zu merken, wen man vor sich hat und was man mit jedem reden könne und müsse, das sind Eigenschaften, die man zu erwerben und auszubauen trachten soll“.

“Gutes Benehmen von A-Z“


Bereits in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg gehörten „Knigge“-Bücher in der geteilten Nation zum kulturellen Rüstzeug. Im Westen wurde der sich bildende Bürger mit individuellen Freizeit- und Kulturvorlieben zum idealen Leser. In der DDR fahndete man nach dem Neuen Mensch. Die Suche nach Spielregeln des Zusammenlebens war, vor dem Hintergrund des Wiederaufbaus und steigenden Wohlstands, eine zentrale Herausforderung der deutschen Teilstaaten. Ratgeber mit Titeln wie „1x1 des guten Tons“ (West) oder „Gutes Benehmen von A-Z“ (Ost) erlebten zwischen 1949 und 1989 Millionenauflagen. Ein regelrechter Boom setzte dann im Zuge der Globalisierung ein, auch hier hätte man vom alten Knigge lernen können: „Wenn die Regeln des Umgangs nicht bloß Vorschriften einer konventionellen Höflichkeit oder gar einer gefährlichen Politik sein sollen, so müssen sie auf die Lehren von den Pflichten gegründet sein, die wir allen Arten von Menschen schuldig sind, und wiederum von ihnen fordern können. Ein System, dessen Grundpfeiler Moral und Weltklugheit sind, muss dabei zum Grunde liegen.“

Die Neuerfindung der Umgangsformen 


Ab der Jahrtausendwende überschwemmten Fachbücher den Markt, die Management-Wissen für so gut wie jedes Land der Erde versprachen – meist blieben frustrierte Leser zurück: „Bloßes Wissen reicht in der Praxis nicht aus. Man muss es auch in die Tat umsetzen können. Interkulturelles Training ist ein laufender Prozess. Deshalb gibt es nicht nur Informationen über aktuelle Spielregeln. Die Teilnehmer lernen in Rollenspielen, ihre interkulturelle Kompetenz anzuwenden und zu verbessern. Die Folge ist eine Stärkung des Selbstbewusstseins und verbesserte Fähigkeit zur Kommunikation“, weiß die Dipl.-Psych. Oksana Kutsin, die für Fix International Services Manager auf Arbeitseinsätze in Osteuropa vorbereitet. Und Diplom-Kulturwirt Thu Phong Vuong, der für das Hamburger Unternehmen erfolgreich Trainings für den asiatischen Raum durchführt, ergänzt: „Die wichtigste Voraussetzung für interkulturelle Kompetenz ist die Balance zwischen Selbstbewusstsein und Offenheit. Man muss seine eigenen Wertvorstellungen und Ziele kennen, diese aber nicht zur Schablone machen, mit der man das Verhalten von Menschen aus anderen Kulturkreisen bewertet.“
Immerhin finden solche Überlegungen Eingang in gute Etikette-Bücher. Die Autorin Cora Stephan fordert in ihrem Werk „Neue deutsche Etikette“ eine permanente Neuerfindung der Umgangsformen, „sie sind das zivilisatorische Minimum, auf das Menschen unterschiedlichster Herkunft, mit verschiedenen Überzeugungen, Religionen, Pässen, Hautfarben und kulturellen Vorgaben ausgestattet, zurückgreifen können. Auch der Theaterkritiker C. Bernd Sucher lieferte eine pragmatische Begründung für sein Werk „Hummer, Handkuss, Höflichkeit“: „Es geht nicht um Vorschriften oder Etikette. Sondern um die Frage, wie der Umgang miteinander angenehmer werden kann.“ 
Download Interkulturelle Kompetenz, Das kleine 1x1, Fix International Services

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