Newsletter April 2012

„Dufte!“ - Jiddische Wörter in der deutschen Sprache

Jiddische Wörter in der deutschen Sprache, Fix International Services, NewsletterSchlamassel und Mischpoke: Wir gebrauchen in unserer Alltagssprache häufig Wörter aus dem Jiddischen. Oft nehmen wir das kaum noch wahr, etwa beim „Malocher“, der aus dem Ruhrpott kommt, bei der „Macke“, die wir bei jemandem vermuten oder beim „miesen“ Wetter, über das wir uns ärgern. Jiddisch ist die alte Umgangssprache aschkenasischer Juden.
Dies sind die Juden, deren Vorfahren im mittelalterlichen Deutschland lebten. Im Südwesten Deutschlands entstanden die ersten Formen des Jiddischen, wahrscheinlich in der Gegend um Speyer oder um Regensburg. Die mittelalterlichen Juden griffen die gesprochenen Sprachen ihrer Umgebung auf, ergänzten sie um hebräische Bestandteile, integrierten Elemente romanischer Sprachen und fügten Merkmale althochdeutscher Dialekte hinzu. Jiddisch ist also eine sprachliche Mixtur, meist wird sie zu den germanischen Sprachen gezählt. Das Jiddische hat mittelhochdeutsche Wurzeln, doch der genaue Anteil des Deutschen ist schwer ermittelbar. So gibt es Wörter mit einer deutschen Vorsilbe, einem hebräischem Stamm und einer slawischen Endung, etwa Miesepeter (hebr. mi'us = geringwertig) oder Schlamassel („schlimm“ plus masal = Stern, Glück, d. h. schlimmes Schicksal). Auch die Anfänge der jiddischen Literatur können bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden. So gibt es Epen über Figuren der Bibel, Heldenlieder aus germanischen Sagen und religiöse Lern- und Gebrauchsliteratur. Zum Ende des 19. Jahrhunderts bildete sich die literarische Klassik des Jiddischen heraus, gekrönt wurde die jiddischsprachige Literatur durch die Verleihung des Literaturnobelpreises, den 1978 der Schriftsteller Isaak Baschewis Singer erhielt.
Das deutsche Wort Jiddisch ist ein noch junger Kunstbegriff, eine Entlehnung aus dem englischen Yiddish, das auf das von ostjüdischen Emigranten nach England mitgebrachte jiddische Wort jidisch zurückgeführt wird. Oft wird „Rotwelsch“, die Geheimsprache der Landstreicher, als das Vehikel beschrieben, durch das jiddische Wörter in die deutsche Sprache einflossen. Wahrscheinlich ist, dass die jiddischen Worte durch Alltagskontakte mit jüdischen Händlern und Schlachtern, den vorherrschenden Berufen unter den Landjuden, herrühren.



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