Newsletter August 2011

Interkulturelle Kommunikation: Korruption – Aufräumen mit ein paar Mythen

Korruption - Aufräumen mit ein paar Mythen, Newsletter Fix International ServicesKorruption wurde öffentlich lange Zeit kaum wahrgenommen. Bis 1999 konnten die entsprechenden Beträge sogar beim Finanzamt geltend gemacht werden. Doch der internationale Wettbewerb gilt nicht mehr als Entschuldigung für unseriöse Geschäftspraktiken. Der 2007 nach diversen Korruptionsskandalen als oberster Korruptionsbekämpfer in den Vorstand von Siemens berufene Topmanager Peter Solmssen erklärte in einem Interview, er wolle im Unternehmen „mit ein paar Mythen“ aufräumen.
Dazu gehöre, dass es für Unternehmen in einigen Ländern der Welt nicht möglich sei, ohne Bestechung Aufträge erhalten zu können. Nach Prozessen und Strafbefehlen in dreistelliger Millionenhöhe gegen deutsche Großunternehmen ist bei vielen Managern die Sensibilität für das Thema Korruptionsprävention gestiegen, besonders bei Auslandsengagements. Bei Siemens besteht eine Antikorruptionseinheit mit 600 weltweit tätigen Mitarbeitern, es existieren Telefonhotlines, wo sich Mitarbeiter erkundigen können, ob sie Geschäftspartner zum Essen einladen dürfen oder Auffälligkeiten berichten können. „Überall in der Welt gibt es Korruption und Untreue. Völlig vermeiden lassen sie sich niemals. Wer jedoch seinen guten Ruf schützen will, wird dies erreichen, wenn er offen legt, was er zur Korruptionsvermeidung und -aufdeckung unternimmt. Das gilt für die mittelständische Wirtschaft besonders. Denn diese haben oft massiv unter den Auswüchsen korrupten Wirtschaftens zu leiden“, berichtet Bettina Kertscher, Geschäftsführerin von Fix International Services in Hamburg. Korruption ist ein weites Feld und kann vom Reisegutschein, der Überlassung des Unternehmenschauffeurs über die Dinnereinladung bis zum schweren Geldkoffer reichen, der zähneknirschend zur Auftragsvergabe mitgebracht wird. 

Um die Korruption systematisch zu bekämpfen, haben deutsche Manager 2008 das „Netzwerk Compliance e.V.“ gegründet. Als Empfehlung gilt, ein für Mitarbeiter verbindliches Regelwerk aufzusetzen. Oft werden seit Generationen kleine Geschenke verteilt, die Grenze zur Korruption ist fließend. Birgit Galley, Direktorin an der Steinbeis-Hochschule für Compliance in Berlin und eine der führenden Korruptionsexpertinnen in Deutschland erklärte in einem Interview mit der WELT: „Oft sehen wir bei den Fällen nur die Spitze des Eisbergs.“ Die private Steinbeis-Hochschule Berlin bietet seit einigen Jahren einen „Master of Business Administration“ mit dem Schwerpunkt „Risk & Fraud Management“ an, auf gut deutsch: Wie geht man mit Risiken um und verhindert Korruption.

„Ohne Schmiergeld geht es nicht!“

Andere Töne schlug der Mittelständler Eginhard Vietz an, der mit einem Handelsblatt-Interview 2010 für Aufsehen sorgte: „Ohne Schmiergeld geht es nicht", erklärte er, „in Algerien, Ägypten oder Nigeria kommen Sie ohne solche Zahlungen einfach nicht durch. Das gilt auch für Russland. Wen interessieren denn Vorschriften? In China steht sogar die Todesstrafe auf Bestechung bzw. Bestechlichkeit. Trotzdem habe ich erlebt, dass ich Aufträge nur durch Schmiergeld gewinnen konnte. Und ich habe auch Aufträge verloren, weil ein Konkurrent mehr zahlte.“ Vietz ist geschäftsführender Gesellschafter der Vietz GmbH und seit über 30 Jahren weltweit im Rohrleitungsbau tätig. Peter von Blomberg, Vorstand der Antikorruptionsorganisation Transparency International, einer weltweit agierende nichtstaatliche Organisation mit Sitz in Berlin, die sich in der nationalen und internationalen volks- und betriebswirtschaftlichen Korruptionsbekämpfung engagiert, bezieht die Gegenposition: „Die kurzfristigen Vorteile, die man sich durch Korruption vielleicht verschaffen kann, werden durch die Reputationsverluste und wirtschaftliche Schäden wieder zunichte gemacht“. Blombergs Rat im Manager Magazin: „Das Wichtigste im Kampf gegen Korruption im Unternehmen ist ein klares Bekenntnis des Chefs!“ Transparency International wurde 1993 in Berlin vom ehemaligen Direktor der Weltbank für Ostafrika, Peter Eigen, und Mitstreitern aus aller Welt gegründet.

Die Erkennung von Korruptionsrisiken und die Ergreifung von Schutzmaßnahmen sind für mittelständische Unternehmen wichtig. Allerdings ist es, besonders in Entwicklungsländern, oft nicht einfach, wirkungsvolle  Standards und Werkzeuge zur Prävention von Korruption zu entwickeln. Das liegt an gänzlich anderen gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen, die dort gelten. Dort können andere Werte einen höheren Rang haben. Bestechung ist überdies ein erlerntes Verhaltensmuster. Jede Unternehmensleitung muss deshalb anhand der Größe und Art des Unternehmens sowie der Wirtschaftsbranche in eigener Verantwortung entscheiden, bei welchen Geschäftsprozessen sie ein Korruptionsrisiko für möglich hält und welche Sicherungen dafür geboten sind. Als Handwerkskasten stehen praktische Maßnahmen zur Verfügung: Das Vier-Augen-Prinzip, Job-Rotation, technische Kontrollen und die umsichtige Erteilung von Vollmachten. „Compliance“ lautet der Fachbegriff, unter dem Bestimmungen verstanden werden, die sicherstellen, dass Unternehmen und Mitarbeiter rechtmäßig handeln. Diese Bestimmunen betreffen Gesetze, aber auch ethische Standards und unternehmenseigene Regelungen. „In Konzernen gehören intensive Schulungen zu Compliance-Themen längst zum Alltag“, erklärt Katrin Brass, Leiterin des Bereichs Interkulturelles Training bei Fix International Services. „Es geht um Aufklärungsarbeit. Den Mitarbeitern wird vermittelt, was eine Firma als unrechtmäßiges Verhalten versteht und wie dies dem Geschäft schadet. Bei Zuwiderhandlung drohen Sanktionen – was durchaus auch eine Entlassungen bedeuten kann.“ Die studierte Wirtschaftspsychologin berichtet auch von den Schwierigkeiten, die sich im Ausland einstellen können: „Manchmal begeben sich Manager und Managerinnen auf einen Drahtseilakt, der in einem Abwägungsprozess besteht: Was ist in einer Kultur bei der Überreichung von Geschenken üblich? Wann drückt man Vertrauen und Freundschaft aus – wo beginnt die Bestechung? Wie gehe ich mit langjährigen, verlässlichen Geschäftspartnern um, ohne diese zu verprellen? Geschenke dienen, ohne böse Absichten zu verfolgen, der ‚Beziehungspflege’, bauen Distanz ab und lassen eine partnerschaftliche Atmosphäre entstehen.“

Auch Bestechung privater Geschäftsleute im Ausland strafbar

„Korruption lohnt sich nicht, die Nachteile für die Unternehmen, die Schmiergelder zahlen, sind enorm", glaubt Jürgen Stephan von der Beratungsfirma Control Risks. Zur Verhaltensveränderung tragen auch internationale Aktivitäten bei. Das gilt auch für eine bereits 1999 in Kraft getretene OECD-Konvention. In ihr haben sich über 30 Unterzeichnerstaaten verpflichtet, die Bestechung ausländischer Amtsträger unter Strafe zu stellen. Auch Deutschland hat dies umgesetzt und auch die steuerliche Abzugsfähigkeit von Bestechungsgeldern beseitigt. Seit August 2002 ist in Deutschland auch die Bestechung privater Geschäftsleute im Ausland strafbar. Damit werden auch Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechnungsprüfungsämter sensibilisiert. Die Gefahr, erwischt zu werden, ist heute größer denn je. Dennoch bleibt die Dunkelziffer hoch. Allerdings: „Während immerhin die Gruppe der großen, international ausgerichteten Unternehmen mit Programmen zur Korruptionsprävention laufend wächst, scheinen Problembewusstsein und Handlungsbereitschaft vor allem in der mittelständischen Wirtschaft trotz einer Anzahl von Empfehlungen und Rahmenrichtlinien nationaler und supranationaler Verbände und Organisationen noch nicht hinreichend entwickelt,“ wissen auch die Korruptionsexperten von Transparency International. „Jedes Unternehmen muss zunächst seine eigene Situation analysieren und die speziellen Risiken seiner Organisation und seines geschäftlichen Umfeldes identifizieren, bevor es einen darauf abgestimmten Katalog von Regelungen und Maßnahmen entwickeln und einführen kann.“
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