Newsletter Februar 2012

"Kulturelle Unterschiede sind eine Hürde, die man nicht unterschätzen darf!"

Katrin Brass, Interview Fix International Services, Interkulturelle Kompetenz, Interkulturelle TrainingsEinen guten Ruf als führender norddeutscher Übersetzungsdienstleister erarbeitete sich das Team von Fix International Services bereits in den 70er und 80er Jahren, damals noch in einem typischen Hamburger Klinkerbau in der Mönckebergstraße. Bereits 1946 hatte Unternehmensgründer Oskar Kertscher von den britischen Behörden die begehrte Lizenz für Übersetzungsdienste erhalten, seine „Thalia-Schreibstuben“ vereinte er 1955 mit den für Schreibdienste tätigen Fix Betrieben von Helmut Kertscher. Konsequent war Erweiterung der Angebotspalette 2005. Durch interkulturelles Training und Coaching verbessert ein Team studierter Profis die interkulturelle Kompetenz deutscher Manager, die in Russland, China, Indien oder Ägypten gute Geschäfte machen wollen. Seit 2011 leitet Katrin Brass diesen Bereich.
Rubrik: Interview mit Katrin Brass

Katrin Brass leitet seit 2010 den Bereich Interkulturelles Training beim Hamburger Kommunikationsdienstleister Fix International Services. Sie ist gebürtige Hamburgerin und studierte an der Georg-August-Universität Göttingen und an der Tongji University in Shanghai Sinologie, BWL und Wirtschafts- und Sozialpsychologie. Die  Schwerpunkte ihres Studiums lagen in den Bereichen chinesische Wirtschaftsentwicklung, interkulturelle Kommunikation und internationale Personalentwicklung.  

Zu ihren anschließenden beruflichen Stationen gehörte die Mitarbeit an einem Privatwirtschaftsförderungsprogramm der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) in China und die Unterstützung des Drittgeschäfts beim Hamburger Handelshaus Jebsen & Jessen. Für die Bayer AG in Shanghai verantworte Katrin Brass im Bereich Corporate Communications alle Aspekte der Unternehmenskommunikation mit Fokus auf die größte Produktionsstätte im Ausland.




Frau Brass, seit 2011 leiten Sie den Bereich „Interkulturelles Training" bei Fix International Services in Hamburg. Was macht diese Tätigkeit so spannend?

Katrin Brass: Mein Job ist sehr vielseitig und abwechslungsreich! Ich habe mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun, die in und mit verschiedenen Ländern arbeiten. Auch die Branchen unterscheiden sich dabei, ob Handel, Windenergie oder die Informationstechnologien. Und auch die Unternehmensgrößen sind immer wieder anders. Zu uns kommen Kunden aus dem Mittelstand und CEOs, die Großunternehmen vorstehen. Generell orientieren sich deutsche Unternehmen immer stärker auf das internationale Geschäft. Es ist spannend zu erleben, welche Herausforderungen dadurch auf jeden einzelnen Menschen zukommen, der an diesem Prozess beteiligt ist – und Wege zu finden, wie wir sie dabei unterstützen können.

Was nehmen Sie aus Ihren Auslandserfahrungen mit in die Arbeit eines Kommunikationsdienstleisters und wie können Ihre Kunden davon profitieren?

Katrin Brass: Ich habe, zum Beispiel in Shanghai, selbst erlebt, wie kulturbedingte Missverständnisse entstehen und welche Folgen daraus erwachsen. Wenn man von seinem Gegenüber im Ausland nicht richtig verstanden wird, kostet das nicht nur Zeit und Nerven, sondern hat massive Auswirkungen auch auf Planungs- und Arbeitsprozesse. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen kann ich mich in die Welt unserer Kunden und ihrer Fragen und Wünsche hinein denken. Für mich lieferte das Studium in idealer Weise Hintergründe, die ich mit praktischen Tätigkeiten in vielfacher Weise ergänzt habe. Von diesem Wissen profitieren heute die die Teilnehmer von interkulturellen Trainings, die sich auf ihre speziellen Herausforderungen, zum Beispiel als Projektleiter, individuell vorbereiten wollen.

Es gibt doch mittlerweile zahllose Bücher zum Thema „Interkulturelle Kommunikation". Warum reicht es nicht, einschlägige Tipps aus dieser Ratgeberliteratur zu befolgen?

Katrin Brass: Was vielen Akteuren in internationalen Projekten vor allem fehlt, ist die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Erst wenn man in einer Vorbereitungssituation beim Training die eigene Hilflosigkeit spürt und die Folgen, die das eigene Verhalten beim Gegenüber erzeugen kann, macht man sich darüber Gedanken. Wer nur die Ratschläge aus Büchern befolgt, verliert auch die Offenheit, die zur Bewertung und Einordnung von Situationen absolut unerlässlich ist. Das Ziel sind situationsgerechte Entscheidungen, die nicht vorgegebenen Antworten folgen. Interkulturelle Kompetenz ist das Ergebnis eines längeren Lernprozesses und entsteht nicht durch die Lektüre von Büchern – das jeweils angemessene Verhalten kann man nicht wie Vokabeln lernen. Lange galt das internationale Geschäft als Domäne großer Konzerne. Doch mittlerweile haben auch Mittelständler Erfolg im Ausland, selbst kleine Unternehmen besetzen Nischen.

Wie unterstützen Sie Unternehmen, die gerade dabei sind, erste Schritte in diese Richtung zu gehen?

Katrin Brass: Wir helfen ihnen dabei, die entsprechenden Märkte und Mentalitäten zu verstehen. Diese unterscheiden sich von Land zu Land. Wir unterstützen unsere Kunden, indem wir ihnen Wege aufzeigen, ihre Stärken zu nutzen und dabei selbstbewusst und souverän zu handeln. Zu den wichtigsten Notwendigkeiten in fremden Ländern gehört es für jeden Neueinsteiger, dort Vertrauen zu den Marktteilnehmern aufzubauen. Deshalb lernen unsere Kunden, angemessen und kulturadäquat zu agieren. Zu unseren Tätigkeiten gehört auch die Begleitung internationaler Projekte, was die Marktanalyse, die Adaption von Unternehmenspräsentationen und die Entwicklung einer Geschäftsstrategie vor dem Hintergrund landesspezifischer Erfordernisse umfasst. Oft scheitern eigentlich gute Geschäftsideen, weil die Unternehmensstrategie nicht an die landesspezifischen Erfordernisse angepasst wurde.

Fix International Services hat 2011 im Rahmen der India Week die Veranstaltung „Tanz mit dem Tiger - Interkulturelle Herausforderungen im Indien-Geschäft" durchgeführt. Was waren im Rückblick die wichtigsten Botschaften?

Katrin Brass: Kulturelle Unterschiede sind eine Hürde, die man nicht unterschätzen darf! Häufig konzentrieren sich die Menschen zu stark auf die Ähnlichkeiten, zum Beispiel, wenn Englisch die gemeinsame Arbeitssprache ist oder die Demokratie die gemeinsame Staatsform. Das bedeutet jedoch durchaus nicht, dass die Mentalität oder die Werte identisch sind. Deutlich wurde auch, dass vielfach bestehende Vorurteile mit der Realität nichts zu tun haben.

Gute Kennzahlen beweisen, dass sich für viele „Neueinsteiger" der Gang auf das internationale Parkett lohnt. Wo liegen die Stolpersteine?


Katrin Brass: Nicht mit Antworten kommen, sondern Fragen stellen! Offenheit ist wichtig. Unser Ratschlag: Immer die eigenen Antennen ausfahren. Häufig sind auch unterschiedliche Erwartungshaltungen ein Problem, wenn man sich nicht mit fremden Lebens- und Arbeitsweisen auskennt. Viele Unternehmer schauen ausschließlich auf ihr Produkt und vergessen den Geschäftsvorgang, der nicht nur ein Austausch von Waren oder Dienstleistungen ist. Diese Prozesse werden von Menschen getragen, ob es um den Vertrieb, das Marketing, den Verkauf oder die damit zusammenhängenden Verhandlungen geht. Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche Kompetenz, sondern um Verhaltensweisen, die kulturell geprägt sind.

Hamburg nennt sich das „Tor zur Welt" und ist traditionell eine Stadt, die vom Handel und dem internationalen Austausch lebt. Welche Orte würden Sie einem Gast aus dem Ausland zur Besichtigung empfehlen, der noch nie in der Hansestadt war und einen Tag Zeit hat, sich umzuschauen?

Katrin Brass: Absolut an der Spitze steht eine Bootsfahrt über die Elbe durch den Hafen und die Speicherstadt! Das Wasser ist die Lebensader der Stadt, Elbe und Hafen stehen für Handel und Wandel. Übrigens: Wer mit dem Boot durch die Speicherstadt fährt, kommt auch am Deichtorcenter vorbei, wo sich die Büros von Fix International Services befinden – Winken nicht vergessen. Und den Abschluss einer jeden Hamburg-Tour sollte der Gang auf den Turm des Michels bilden, der Blick ist unbeschreiblich schön. Vorher muss man sich natürlich an den Landungsbrücken noch mit einem Fischbrötchen stärken …
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