Newsletter Juni 2012

Bi-kulturelles Trainingstandem - Wann doppelt besser hält

trainingsvorbereitung.jpgTeamarbeit, Projektleitung und unternehmerischer Erfolg sind kulturabhängig, interkulturelle Handlungskompetenz ist in Zeiten zunehmender Globalisierung eine Schlüsselqualifikation erfolgreich agierender Manager. Warum? In den verschiedenen Kulturen führen – bei vergleichbaren Zielen – unterschiedliche Wegen zu den gewünschten Lösungen, die Fähigkeit zur interkulturellen Kommunikation wird immer wichtiger. Interkulturelle Trainings sind wirkungsvolle Wege zu interkultureller Handlungskompetenz. Denn interkulturell erfolgreich kann sich nur verhalten, wer souverän mit seinen Sach- und Sozialkompetenzen umgehen kann.
Die zu wählende Trainingsform hängt dabei von der Zielgruppe ab und dem Ziel, das durch das Training erreicht werden soll. Geht es nur darum, Mitarbeiter interkulturell zu sensibilisieren, die in absehbarer Zeit weder in ein fremdes Land gehen, noch mit Partnern im Ausland zu tun haben, ist ein Trainer ausreichend, der über umfassende Kenntnisse des im Fokus stehenden Landes verfügt. Steht jedoch eine Entsendung unmittelbar bevor, sind handlungsorientierte Trainingsprogramme gefragt, jetzt müssen die Teilnehmer für die Praxis proben. Als erfolgreiches, allerdings vergleichsweise aufwändiges Trainingsinstrument gelten bi-kulturelle Trainertandems. Diese bestehen aus je einem erfahrenen deutschen sowie einem ausländischen Trainer, der beruflich erfahren ist und sich – auf eigenen Prägungen aufbauend – im seiner Heimat fremde Rollen und Positionen angeeignet hat. Der ausländische Part ist aber nicht der Co-Referent. Er hat seine Bedeutung als Dialogpartner, der den Teilnehmern in Rollenspielen oder bei der Erarbeitung praktischer Herausforderungen hilft, den Berufsalltag und das Leben im künftigen Gastland zu meistern. Seine Aufgabe ist es, den Teilnehmern fremde, beispielsweise chinesische, Denk- und Verhaltensmuster vor Augen zu führen. Ein deutscher Trainer könnte dies  – auch nach längeren Stationen im Zielland – nicht in gleicher Weise „verkaufen“. Geht es um das Zielland, ist ideal auf einer solchen Position ein Chinese, der Schulzeit und Ausbildung in China durchlaufen hat und anschließend dort Erfahrungen in unterschiedlichen beruflichen Positionen sammeln konnte. Gefragt sind Praxis erfahrene Trainer, die realistische Vorstellungen haben, wie der Alltag in chinesischen Unternehmen abläuft, wie Meetings gestaltet werden, wie die Hierarchien aussehen, was die Grundlage von Entscheidungen ist und wie Teams funktionieren.

Rollenspiele leben von der spontanen Wendungen

„Bi-kultuelle Trainerteams galten lange als eine der wirksamsten Formen interkultureller Trainings. Aufgrund des vergleichsweise hohen Aufwands, die durch die Auswahl und Besetzung mit zwei Trainern entstehen, stellen sie in der Praxis zwar die Ausnahme da. Man sollte jedoch bedenken, welch fatale Folgen der Fehlschlag eines Auslandsengagements, besonders für mittelständische Unternehmen, bedeuten können. Deshalb gibt es Konstellationen, bei denen ich zum Einsatz eines solchen Tandems rate!“ erklärt Karin Brass, Leiterin des Bereichs Interkulturelles Training beim Kommunikationsdienstleister Fix International in Hamburg. Voraussetzung für das Gelingen des Tandems ist das gute gegenseitige Zuspiel und das Verständnis der Trainer füreinander. Denn Rollenspiele leben von plötzlichen Wendungen und den Emotionen der Teilnehmer, wenn es bei Schwierigkeiten nicht so läuft wie erwartet. Weisheiten aus dem Lehrbuch helfen da nicht weiter. Interkulturelles Training zeigt Wirkung, wenn Teilnehmer anschließend anders und lösungsorientierter agieren können, als ihnen dies vor dem Training möglich gewesen wäre. Sie müssen wissen, warum in der interkulturellen Zusammenarbeit Probleme entstehen und was zu tun ist, um diese aus dem Weg zu räumen. „Wer im Training sein Verhalten in verschiedenen Varianten durchspielen kann und  anschließend professionelles Feedback von den Trainern erhält, geht später gestärkt in schwierige Situationen,“ berichtet Katrin Brass.
So kann es in einem Rollenspiel darum gehen, wie man in China indirekte Kritik einsetzt, um die Partner nicht vor den Kopf zu stoßen. Beim bi-kulturellen Tandem-Training begegnet der Trainingsteilnehmer jetzt mit seinem Rollenspielpartner dem chinesischen Part des Trainertandems. An ihm kann es seine Handlungsweisen „testen“, eine überaus realistische, hautnahe Probe des kommenden Ernstfalls. Würde hier der deutsche Trainer sitzen, könnte er nur spiegeln: „Aus chinesischer Sicht wäre jetzt ich nach ihrem Auftritt gekränkt!“  
 

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