Newsletter Juni 2013

50. Gründungstag der Afrikanischen Union: „Vielfalt ist das A und O der Globalisierung!“

Prof. Dr. Isaac C. Lamba, Botschafter Republik Malawi, Interview Fix International ServicesWeltweit wird im Mai mit dem „Africa Day“ der Gründung der Organisation für Afrikanische Einheit gedacht, 2013 Jahr jährt sich der Gründungstag zum fünfzigsten Mal. Die Feier würdigt die Ratifizierung der Gründungsurkunde der heutigen Afrikanischen Union durch Staats- und Regierungschefs von 30 unabhängigen Staaten am 25. Mai 1963. Auch in Hamburg wird der „Africa Day“ gefeiert, Ehrengast war im Jubiläumsjahr Prof. Dr. Isaac C. Lamba, der Botschafter der Republik Malawi. Die südostafrikanische Republik Malawi erlangte 1964 ihre Unabhängigkeit von Großbritannien. In dem Land leben vier Millionen Einwohner, die Regierung verfolgt eine marktwirtschaftliche Politik und setzt Bemühungen zur Liberalisierung und Privatisierung der Wirtschaft fort. Ziele sind die Bekämpfung von Armut, die Steigerung des Wirtschaftswachstums durch Förderung von Privatinvestitionen und Fortschritte bei der Entwicklung des Landes in allen Bereichen (Infrastruktur, Bildung und Ausbildung, Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur). Die Landwirtschaft dominiert mit circa 80 Prozent der Beschäftigten, Tabak ist das wichtigste Exportgut. Andere Exportgüter sind Tee, Kaffee, Sojabohnen, Zucker und Uran.
Rubrik: Interview mit Prof. Dr. Isaac C. Lamba, Botschafter der Republik Malawi

Prof. Dr. Isaac C. Lamba ist seit 2007 Botschafter der Republik Malawi in Berlin. Zuvor war er in gleicher Funktion der Vertreter seines Landes bei den Vereinten Nationen (UN) in New York. Prof. Dr. Isaac C. Lamba hat an den Universitäten (Malawi), Nova Scotia (Kanada) und Edinburgh (Schottland) studiert und vielbeachtete Bücher zu entwicklungspolitischen Themen veröffentlicht.



Herr Botschafter, Sie waren Ehrengast auf dem Africa Day 2013 in Hamburg. Welche Bedeutung hat dieser Tag?

Prof. Dr. Isaac C. Lamba: Für die Menschen in Hamburg und in Afrika, aber auch für viele andere Länder der Erde, ist der „Africa Day“ ein Anlass zum Feiern und zum Gedenken. Vor fünfzig Jahren, am 25. Mai 1963, nahm die Vision eines vereinigten afrikanischen Kontinents mit der Gründung der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) Gestalt an. Das war damals ein Festtag, der große Hoffnungen weckte und an den hohe Erwartungen geknüpft wurden. An diesem historischen Tag unterzeichneten 30 der 32 souveränen afrikanischen Staaten in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, die Charta der Organisation. 2002 wurde die OAU in Afrikanische Union (AU) umbenannt, damals bekam auch die operationelle Vision dieser Organisation eine neue Ausrichtung.
Welches sind die Schwerpunkte der Afrikanischen Union?  

Als Nachfolger der OAU setzt sich die Afrikanische Union für das Ziel einer wirtschaftlichen und politischen Integration des Kontinents ein. Die AU kämpft noch immer für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte. Und das alles unter Respektierung der „berühmten“ Vielfalt.

Was verstehen Sie unter Vielfalt?

Prof. Dr. Isaac C. Lamba: Die Welt hat allen Grund, die Vielfalt zu feiern. Richtig verstanden und angewandt, stellt Vielfalt einen wichtigen Faktor in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen dar. Vielfalt ist das A und O der Globalisierung, wenn sie gut funktioniert und positive Ergebnisse bringt. Die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts bleibt aber die Erneuerung unserer Verpflichtung zu einem gemeinsamen kulturellen und physischen Verständnis und einer ebenso gearteten Bereicherung, welche den Rahmen bilden für eine Zukunft, die sich auf Hoffnung und Verheißung gründet. Was wir erreichen müssen, ist eine tiefere und funktionalere Bedeutung von Rasse, Farbe, Religion und des allumspannenden Kulturkonzepts, um unseren Nachbarn für die Erzielung möglicher Vorteile, sowohl kultureller als auch wirtschaftlicher Art, richtig einschätzen zu können.

Vor welchem historischen Hintergrund findet diese Entwicklung statt?

Prof. Dr. Isaac C. Lamba: Die Gründung der Organisation für Afrikanische Einheit bedeutete das langsame Verschwinden des Kolonialismus. Aber diese Entkolonialisierung und Unabhängigkeit machte eine Neuordnung der diplomatischen Beziehungen zwischen den ehemaligen Kolonien und Europa und den anderen Kontinenten erforderlich. Außerdem wurde dadurch in gewisser Weise ein neuer Akzent beim Thema Migration gesetzt, denn fortan hatte man es neben der Migration, die es bereits vor dem Zeitalter der Unabhängigkeit gab, mit einer neuen Migration, die aus den souveränen afrikanischen Staaten einsetzte, zu tun.
 
Was gilt es dabei zu beachten?

Prof. Dr. Isaac C. Lamba: Migration geht einher mit wirtschaftlicher und kultureller Interaktion, die zwischen der Gesellschaft des Gastgebers und der des Gastes stattfinden muss. Die daraus resultierende komplexe Agenda der Integration kann zu Spannungen und Konflikten vielerlei Gestalt führen, ob offenkundig oder unterschwellig, welche dann, sogar in Deutschland, die regierungspolitischen Vorgaben untergraben würden. Inwieweit können die Menschen aus der afrikanischen Diaspora in Deutschland untergebracht und in die deutsche Gesellschaft integriert werden, ohne dass dabei die so wertvolle kulturelle Vielfalt auf der Strecke bleibt?   

Wie ist die aktuelle Situation der afrikanischen Staaten?

Prof. Dr. Isaac C. Lamba: Die Menschen in Afrika stehen auch weiterhin vor zahlreichen Herausforderungen und Schwierigkeiten, die es zu meistern gilt. Die Idee einer Einheit des afrikanischen Kontinents spielt heute noch eine genauso große Rolle wie zuvor, und die Vision, nach Einheit, Frieden und Freiheit zu suchen, ist in den Herzen der Bürger noch immer lebendig. Mit diesen hehren Zielen der Organisation vor Augen, müssen die Menschen in Europa und Deutschland – und ebenso wir, hier in Hamburg – bestrebt sein, uns auf die Seite Afrikas zu stellen. Deshalb unterstützen und glauben wir, wenn es um Afrika geht, noch immer das, was Martin Luther King einst forderte: drei Mahlzeiten pro Tag für unseren Körper, Bildung und Kultur für unseren Geist und unsere Würde und Gleichheit und Freiheit für unsere Seele und die Grundrechte.

All dies, so glauben wir, sind Dinge, die für jeden Menschen – ganz gleich, ob in Afrika oder anderswo – wichtig sind. Auf der Seite Afrikas zu stehen, bedeutet sehr viel für uns in Hamburg. In erster Linie geht es darum, dass wir die afrikanische Gemeinde in Hamburg unterstützen und den Menschen bei der Integration helfen, damit sie ihr erlangtes Wissen und ihre erworbenen Fertigkeiten effektiv nutzen und so einen bedeutsamen Beitrag zur Entwicklung Hamburgs leisten können. Dies erfordert meiner Meinung nach ein hohes Maß an Anstrengung von allen Seiten und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen und einander mit Respekt zu begegnen.

Können Sie uns ein konkretes Beispiel in Hamburg nennen?

Prof. Dr. Isaac C. Lamba: Ich möchte hier die Ausbildungsinitiative der Hamburger Handelskammer nennen. Unter einsatzfreudiger Leitung und mit Unterstützung verschiedener Organisationen, wie beispielsweise dem IMIC, das diese Veranstaltung, den „Africa Day“, ausrichtet, erhalten junge und erwachsene Migranten die Chance auf eine Berufsausbildung. So werden die Talente und das Potenzial dieser Menschen, ob jung oder alt, die diese Ausbildungsmöglichkeiten nutzen, sich als Bereicherung und nicht als Belastung für die Gesellschaft erweisen. Eine derartige Initiative stellt eine großartige Chance für die Integration von Einzelpersonen, aber auch eine ebenso großartige Chance für den Stadtstaat Hamburg und somit für das Wohlergehen aller Bürger, die darum bemüht sind, ein besseres Miteinander zu erreichen, dar.

 
 



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