Newsletter März 2011

Interkulturelle Kommunikation: „Business muss auch Spaß machen!“

oksana-kutsin.jpgDeutschland ist der wichtigste Handelspartner des Wachstumslandes Russland, noch vor China, den USA oder Frankreich. „Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind so intensiv wie seit langem nicht mehr“, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel, als sie 2010 Russlands Präsidenten Dmitrij Medwedjew einen offiziellen Besuch abstattete. In ihrem Gefolge befanden sich zahlreiche deutsche Top-Manager, die neue Beziehungen zu russischen Partnern aufbauten oder bestehende intensivierten. Denn Russland ist längst keine gesetzlose Höhle des Löwen mehr, viele deutsche Unternehmen agieren längst erfolgreich auf den Märkten im Osten.
Rubrik: Interview mit Dipl.-Psych. Oksana Kutsin

Kurzprofil: Dipl.-Psych. Oksana Kutsin wurde 1975 in Kiew geboren und studierte an der Universität Hamburg Psychologie und Pädagogik. Sie ist Lehrbeauftragte der Universität Hamburg und arbeitet seit 2005 als Interkulturelle Trainerin und Beraterin mit dem Schwerpunkt Osteuropa. Im Interview erklärt sie, warum man Vorurteilen nicht trauen sollte, es aber trotzdem wichtig sein kann, mit russischen Geschäftspartnern ein Glas Wodka zu trinken. 



Was können Sie Managerinnen und Managern bei einem Interkulturellen Training beibringen, was nicht in einem der zahllosen Russlandbücher steht?

Oksana Kutsin: Bloßes Wissen reicht in der Praxis nicht aus: man muss es auch in die Tat umsetzen können, Interkulturelles Training ist ein laufender Prozess. Deshalb gibt es nicht nur Informationen über aktuelle Spielregeln. Die Teilnehmer lernen in Rollenspielen, ihre interkulturelle Kompetenz anzuwenden und zu verbessern. Die Folge ist eine Stärkung des Selbstbewusstseins und verbesserte Fähigkeit zur Kommunikation. Wer sich und seine Ziele kennt, aber auch die Motivation des Anderen begreift, wird Erfolg haben. Wir spielen typische Konfliktsituationen durch, in denen sich Führungskräfte bewähren müssen. Aber auch erste Begegnungen mit neuen russischen Geschäftspartnern oder die – oft gefürchteten – Kritikgespräche mit Mitarbeitern. Unsere Teilnehmer erhalten Hinweise zu erfolgreichen Handlungsstrategien aus erster Hand. Viele von ihnen sind überrascht, dass man Small Talk lernen kann, und dass manchmal Gespräche über das Wetter bedeutsam sind, um an wichtige Informationen zu gelangen. Das bringt nicht nur Erfolg, sondern macht auch Managern und Managerinnen Spaß.

Gibt es Feed Back nach solchen Rollenspielen?

Oksana Kutsin:: Natürlich! Und zwar nicht nur von mir als Trainerin, sondern auch aus der Gruppe. Häufig kommen gerade von den Teilnehmern wichtige Impulse oder eigene Erfahrungswerte.

Mafia, Korruption, bürokratische Schikanen: Gibt es eigentlich Klischees und Vorurteile über Geschäfte in Russland, die den Tatsachen entsprechen?

Oksana Kutsin: Seit den 90er Jahren hat sich in Russland viel geändert. Außerdem sollte man sich ein eigenes Urteil bilden und sich dabei niemals von Vorurteilen leiten lassen. Eine große Gefahr besteht für westliche Unternehmen darin, die Besonderheiten russischer Verhältnisse zu ignorieren. Beim Interkulturellen Training geht es immer auch um Offenheit, Respekt und Toleranz.

Und wie verhält es sich mit dem angeblich obligatorischen Wodkakonsum?

Oksana Kutsin: Alkoholkonsum ist auch in Russland längst kein Selbstzweck mehr und wird nur noch bei bestimmten gesellschaftlichen Anlässen akzeptiert. Dabei muss man wissen, dass die Deutschen im Ausland oft als kalt, unnahbar und ausschließlich faktenorientiert wahrgenommen werden, übrigens nicht nur in Russland. Das gemeinsame Wodkatrinken kann deshalb eine Gelegenheit sein, sich zu öffnen und Vertrauen entstehen zu lassen. Wer die Einladung zum gemeinsamen Essen oder einem Glas Wodka ausschlägt, signalisiert: „Kommt mir nicht zu nahe!“ Doch die Kenntnis eines Menschen ist für Russen als geschäftliche Basis sehr wichtig, sie sind sehr beziehungsorientiert. Deshalb sollte man ihre privaten Fragen freundlich beantworten und sich auch nach ihren Familien erkundigen.

Welche Fehler machen Deutsche im Umgang mit russischen Geschäftspartnern häufig?


Oksana Kutsin: Russen sind Patrioten. In westlichen Medien jedoch werden vor allem die russische Politik und der Alltag sehr negativ dargestellt. Politik ist also kein beziehungsstiftendes Thema. Es kann aber auch nicht schaden, hier darauf hinzuweisen, dass sich Deutsche in Russland ruhig auch noch stärker als fröhliche Menschen zeigen könnten. Business muss doch auch Spaß machen, oder?Download Interview Oksana Kutsin, Business muss auch Spass machen, Fix International Services

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