Newsletter März 2012

Trainingsmethoden: Kulturstandards

Trainingsmethoden - Kulturstandards, Fix International ServicesInterkulturelle Handlungs- kompetenz ist zu einer Schlüsselqualifikation erfolgreich agierender Manager geworden. Deshalb werden in interkulturellen Trainings auch verschiedene Trainingsmethoden wie Rollenspiele, Analyse von Fallstudien oder Kulturassimilatoren angewandt. Das Thema „Kulturstandards“ ist ein zentraler Baustein eines jeden Trainings. Es steht i.d.R. am Anfang einer Sitzung, weil jede interkulturelle Begegnung eine Überschneidungssituation darstellt, bei der sich unterschiedliche kulturellen Standards treffen. Diese müssen den Teilnehmern bewusst und verständlich gemacht werden.
Interkulturelles Lernen hat die Aufgabe, die Grundlage für gelingende interkulturelle Begegnungen zu schaffen. Kultur ist ein universelles Phänomen. Alle Menschen leben in einer spezifischen Kultur und entwickeln sie weiter. Unter dem Begriff Kultur wird dabei ein für die Bevölkerung spezifisches Handlungsfeld verstanden, das von Gebäuden (Kirchen, Moscheen, Wohnhäuser), über Kleidungsstücke bis zu Institutionen, religiösen Ideen, Ritualen und gemeinsamen Werten reicht. Kultur manifestiert sich immer in einem für eine Nation, Gesellschaft, Organisation oder Gruppe typischen Orientierungssystem.
„Kulturstandards“ werden die gemeinsamen Formen des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns bezeichnet, die von der Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten Kultur für sich und andere als normal, typisch und also verbindlich betrachtet werden. Kulturstandards regeln nicht nur das Ess- und  Arbeitsverhalten, sondern prägen auch das politische System, die religiöse Gebräuche und das Erziehungswesen. Auch haben Kulturstandards Einfluss auf die Sprache, sinnliche Wahrnehmungen, das Paarungsverhalten oder die Mode einer Bevölkerung. Unterschiedliche Kulturen stellen den Einzelnen und die ganze Gesellschaft vor Verständigungsprobleme. Die interkulturelle Begegnung stellt eine Überschneidungssituation mit unterschiedlichen kulturellen Standards dar. Diese müssen bewusst und verständlich gemacht werden.

Welchen Einfluss hat Kultur auf das Geschäftsleben?

In einem interkulturellen Training geht der Trainer häufig zunächst auf die Frage ein, was Kultur ist – und welchen Einfluss sie auf das Geschäftsleben von Ländern, Regionen oder Kontinenten haben kann. Anschließend wird zentrale Kulturstandards eingegangen. Erst dann sollte man, zum Beispiel in Rollenspielen und Übungen, ihre Wirkung vertiefend erleben. So wird gezeigt, dass sich Kulturstandards oft diametral gegenüber stehen – und dass man in bestimmten Situationen schnell mit seinem Latein am Ende ist, wenn man die kulturellen Hintergründe nicht kennt: Achtung Problem!
Ein klassisches Beispiel für unterschiedliche Kulturstandards ist die „Beziehungsorientierung“ gegenüber der „Sachorientierung“. Besonders deutsche, sachorientierte Manager geraten hier oft ins Straucheln: wenn sie bei unseren Nachbarn direkt „mit der Tür ins Haus fallen“ und schnelle Geschäfte mit dem (beziehungsorientierten) Ausland machen wollen …

“Erst der Mensch, dann das Geschäft!“

In der Geschäftspraxis bedeutet dies für beziehungsorientierte Länder: „Erst der Mensch, dann das Geschäft!“. Westliche Vorstellungen von Networking auf Internetplattformen oder bei Visitenkartenpartys haben damit wenig gemein! Die „deutschen Tugenden“ erweisen sich im Auslandsgeschäft meist als kontraproduktiv. Unser Handeln und Verhalten wird von historisch gewachsenen Kulturstandards gesteuert. Diese sind für uns positiv belegten, als fest verankerten Werthaltungen bedeuten sie zwischen Flensburg und München eine Selbstverständlichkeit und regeln unser Verhalten. Die Schwierigkeit in der internationalen Zusammenarbeit: jede Kultur besitzt eigene Standards, woanders  wird das Verhalten eines Menschen aus einer fremden Kultur anhand des eigenen Wertesystems beurteilt. Die interkulturelle Trainerin und Buchautorin Dr. Sylvia Schroll-Machl erörtert in ihrem Werk „Die Deutschen – Wir Deutsche. Fremdwahrnehmung und Selbstsicht im Berufsleben“ die Beobachtungen, die ihr ausländische Geschäftsleute über ihre deutschen Partner lieferten. „Erst im Spiegelbild der anderen verstehen wir, wie unser eigenes kulturspezifisches Orientierungssystem beschaffen ist und welche Wirkungen es im Umgang mit ausländischen Partnern hervorruft,“ erklärt Frau Dr. Schroll-Machl. „Das was die anderen von uns wahrnehmen gibt den Anlass, damit wir uns selbst reflektieren und unser Wertesystem erklären. Unterschiede zwischen dem Bild, das andere von uns haben, und unserem Selbstbild entstehen dadurch, dass die anderen das deutsche Verhalten beobachten und mit Begriffen aus ihrer eigenen Kultur beschreiben. So ist dann beispielsweise der deutsche Kommunikationsstil, den wir als ehrlich, aufrichtig, effektiv und zielorientiert empfinden mögen, in den Augen der anderen vor allem aggressiv und undiplomatisch.“

 
 



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