Newsletter März 2012

Übersetzung als Poesie - "Found in Translation" im Berliner Guggenheim

Fix International Services, Newsletter, Übersetzung als Poesie - Die Ausstellung „Found in Translation“ hinterfragt die Übersetzung als Mittel der Verständigung - im wörtlichen - aber auch im übertragenen Sinn. Was kann durch Übersetzungen verloren gehen, was gewonnen werden? Gerade in Zeiten der Globalisierung gilt es, sich zwischen vielen Ländern mit ihren vielen Sprachen zu verständigen. Die Notwendigkeit und die Schwierigkeit, sich über kulturelle und historische Schranken hinweg zu verständigen, ist heute ein unvermeidlicher Aspekt unseres Lebens. In diesem Zusammenhang ist die Übersetzung – im sprachlichen wie im übertragenen Sinn – ein elementares Werkzeug für unser Verständnis der Wirklichkeit. Doch welche Rolle spielt dabei noch die Übersetzung, wo doch die ganze Welt längst Englisch spricht? Wo englische Wörter im Geschäftsleben, aber auch im Alltag, Usus sind?
Die Ausstellung im Berliner Guggenheim Museum will darauf Antworten liefern und hinterfragt zugleich die heutige Bedeutung des Themas auf unterschiedlichen Wegen. Künstler greifen das Thema als plakative Metapher auf, als verschlüsselte Poesie und auch als komplexe Allegorie. Sie entlarven dabei die Übersetzung als Mittel zum Zweck politischer Manipulation oder als fantastischen Interpretationsspielraum. Oder sie beschäftigen sich mit ganz banalen Missverständnissen. Und zeigen, dass mit der Verbreitung des Anglizismus auch Kurioses entsteht, etwa „chinglish“. Mehr als je zuvor müssen wir überdenken, was durch Übersetzungen verloren oder gewonnen werden kann und welche Auswirkungen diese endlos erscheinenden Umwandlungen auf unsere Welt haben.

Verzerrungen von literarischen Werken durch kulturelle Unterschiede

Die Ausstellung „Found in Translation“ präsentiert aktuelle Arbeiten von neun Künstlern, die sich mit dem Thema der Übersetzung als Modell und Metapher, als kritischem Kommentar der Vergangenheit und als Ideenreservoir für die Gegenwart, beschäftigen. Da Sprache in Echtzeit erfahrbar wird, stellt Found in Translation vor allem mediale Arbeiten wie Videos, Filme und Diaprojektionen vor. Hinzu kommen Fotografien und Drucke, in denen Sprache als formales Element integriert ist. Die Übertragung eines Textes von einer Sprache in eine andere eröffnet diesen Künstlern ein weites Feld, in dem sie Begriffe der Identität – wie Klasse, Herkunft, Religion und Sexualität – behandeln. In dieser nur auf den ersten Blick einfach erscheinenden sprachlichen Aufgabe wird ein Mikrokosmos der Interaktion zwischen den Kulturen sichtbar, der einerseits von Machtverhältnissen zeugt, andererseits aber auch neue ästhetische Wege weist. Akte des Lesens und des Sprechens bilden einen Schwerpunkt: Siemon Allen, Alejandro Cesarco, Brendan Fernandes und Lisa Oppenheim untersuchen die möglichen Verzerrungen von literarischen Werken durch kulturelle Unterschiede. Sharon Hayes, Matt Keegan und O Zhang betrachten Sprache als ein öffentliches Forum, indem sie die Politik des Sprechens in unterschiedlichen geschichtlichen Zusammenhängen fokussieren. Patty Chang und Keren Cytter widmen sich dem Reich der Fantasie und übersetzen Texte in melodramatische sehnsuchtsvolle Filme.

Deutsche Guggenheim, Unter den Linden 13/15, 10117 Berlin, Telefon +49 (0)30 - 20 20 93 -0. Dauer der Ausstellung: 28. Januar – 09. April 2012



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