Newsletter Mai 2012

Außenwirtschaft deutscher Mittelstand: "Chancen der Globalisierung nutzen!"

barbara-bonrath-kaster-150x100-03.jpgDer Bundesverband mittelständische Wirtschaft – Unternehmerverband Deutschland e. V. (BVMW) wurde 1975 gegründet. Der BVMW vertritt branchenübergreifend die wirtschaftspolitischen Interessen der mittelständischen Wirtschaft mit Büros in allen deutschen Bundesländern und Auslandsbüros unter anderem in Brüssel, China, Japan, Polen, Brasilien und der Türkei. Als Schutz- und Selbsthilfeorganisation bietet der BVMW umfangreiche Serviceleistungen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Barbara Bonrath-Kaster ist Bereichsleiterin Außenwirtschaft beim BVMW. „Chancen der Globalisierung nutzen!“ lautet Ihr Credo.
Rubrik: Interview mit Barbara Bonrath-Kaster

Frau Bonrath-Kaster, zu den Aufgaben der BVMW-Außenwirtschaftsabteilung gehört es, die außenwirtschaftlichen Aktivitäten der Mitgliedsfirmen des BVMW zu unterstützen und zu fördern. Was empfehlen Sie einem mittelständischen Unternehmer, der Chancen im Ausland sieht und deshalb über ein entsprechendes Engagement nachdenkt?

Barbara Bonrath-Kaster: Der Unternehmer sollte seine Chancen auf jeden Fall von einem seriösen Berater prüfen lassen, der möglichst schon lange im Zielland lebt. Diese Erstmaßnahme kostet zwar einige Tausend Euro, kann am Ende aber Hunderttausende Euro sparen. Diese Machbarkeitsstudie gibt bereits Aufschluss über die Investitionshöhe und die Aussichten des „Return-on-Investment“. So können grobe Fehleinschätzungen bereits im Vorfeld vermieden werden.

Wie haben sich die Auslandsaktivitäten der mittelständischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren entwickelt und welche Regionen erscheinen heute als besonders perspektivreich?

Barbara Bonrath-Kaster: Die Märkte China und Indien haben einen riesigen Absatzmarkt und die kaufkräftige Mittelschicht wächst in diesen Ländern kontinuierlich. Schon deshalb gehören sie zu den beliebtesten Zielen für mittelständische Auslandsengagements. Aber auch die Türkei und Brasilien sind sehr gefragt. Mittelständler, die schon international tätig sind, wagen sich aber auch in „Anfangsmärkte“ wie Myanmar, Kambodscha oder die nordafrikanischen Mittelmeeranrainer nach den politischen Umbrüchen.

Warum ist der Netzwerkgedanke für Ihre Mitgliedsunternehmen im Hinblick auf die Chancen der Globalisierung so wichtig?  

Barbara Bonrath-Kaster: Netzwerke, das sagt schon der Name, verknüpfen Punkte. Der BVMW arbeitet mit einem sehr großen, weltumspannenden Netzwerk, welches aus Personen besteht, die sich persönlich kennen. Das Internet bietet zwar (fast) alle Adressen und Ansprechpartner, der menschliche Kontakt ist aber nach wie vor der bessere Berater. Diese persönlichen „Knotenpunkte“ sind ein Markenzeichen des BVMW.

Welche Forderungen haben Sie an die Politik?

Barbara Bonrath-Kaster: Die zunehmende Globalisierung der Märkte und die wachsende Verschärfung des weltweiten Wettbewerbs erfordern eine effektivere Unterstützung und bessere politische Flankierung der internationalen Aktivitäten mittelständischer Unternehmen. Die Regierung muss offensiv für einen freien Welthandel durch die Stärkung der Welthandelskonferenz, gegen Protektionismus und Produktpiraterie eintreten.

Neben ökonomischen Kennzahlen und rechtlichen Rahmenbedingungen spielen bei länderübergreifenden Geschäften auch „weiche Faktoren“ eine Rolle. Vielfach scheitern Projekte, weil sich die Partner nicht verstehen. Wächst die Bedeutung interkultureller Kompetenz?

Barbara Bonrath-Kaster: Sicher, aber auch hier können unsere Berater unterstützen. Idealerweise leben oder lebten diese Counsellor in den Ländern, sprechen die Landessprache und können so bei der Verständigung helfen. Englisch ist als Weltsprache zwar hilfreich, bei Verträgen fühlt man aber in der eigenen Muttersprache sicherer. Ein guter Berater fungiert auch hier als Mittler „zwischen den Welten“ und kann eventuelle kulturelle Missverständnisse entschärfen.

Produktpiraterie ist besonders für den Mittelstand ein großes Problem. Wie können sich Unternehmen dagegen schützen?

Barbara Bonrath-Kaster: Im letzten Jahr haben Zollbeamte allein in Deutschland Fälschungen und Plagiate im Wert von mehr als 80 Millionen Euro beschlagnahmt. Damit die Beamten aktiv werden, können Unternehmen einen entsprechenden Antrag einreichen und die Fahnder über die Besonderheiten ihrer Produkte informieren. So können Piraterie-Importe bereits an den Grenzen vom Zoll sichergestellt werden. Sammeln Sie Informationen über Nachahmer. Hinweise und Tipps von Handelspartnern oder Kunden liefern oft wertvolle Informationen, um effektiv gegen Fälscher vorzugehen. Richten Sie ein Reporting-System ein und fragen Sie gezielt nach Verdachtsfällen. Sensibilisieren Sie Mitarbeiter, Handelspartner und Kunden. Machen sie diese Gruppen zu Ihren Verbündeten: Sie können Ihnen helfen, langfristig die Oberhand gegenüber Produkt- und Markenpiraten zu behalten.

Viele deutsche Manager genießen weltweit den zweifelhaften Ruf des Besserwissers. Ist es Zeit für eine selbstkritische Reflexion?  

Barbara Bonrath-Kaster: Das kann ich so nicht unterschreiben. Deutsche Manager haben in der Vergangenheit viel dazu gelernt. Oberstes Gebot sollte sein: Nicht alles selbst machen und Menschen hinzuziehen, die beide Kulturen kennen. Helfen kann auch, Menschen zu beobachten, die bereits erfolgreich mit Menschen des Ziellandes arbeiten.

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