Newsletter Oktober 2012

Übersetzerverband BDÜ testet Google Translate

dolmetschen.jpgSie sind populär und werden angeblich immer besser: Übersetzungsprogramme wie Google Translate, die man gratis im Internet findet. „Wird die maschinelle Übersetzung allmählich zur Gefahr für professionelle Übersetzer?“ Diese Frage stellte sich der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ), Deutschlands größter Branchenverband. Und deshalb durchleuchteten Profis stellvertretend „Google Translate“ mit verschiedenen Textsorten und in mehreren Sprachen.
Auf den ersten Blick erschienen die maschinellen Übersetzungen überzeugend. Das System übernahm die Absatzstruktur vom Ausgangstext. Und auch die Anzahl der Schreibfehler blieb überschaubar. „Im Bereich der Rechtschreibung schnitt das System mit Schulnote 1-2 ab“, so BDÜ-Präsident André Lindemann. Doch umso schlechtere Noten gab es  für die Richtigkeit des Inhalts. „Das Lesen der Texte war zum Teil mühsam, kaum ein Satz war fehlerfrei. Manche Passagen waren schlicht unverständlich.“ Google Translate erhielt vom BDÜ für die inhaltliche Korrektheit seiner Übersetzungen folglich nur die Schulnote 4-5.
Für seine Untersuchung ließ der Verband vier professionelle Übersetzer für die Sprachen Chinesisch, Englisch, Polnisch und Spanisch verschiedene Textsorten in der Fremdsprache auswählen, Google Translate übertrug sie dann ins Deutsche. Die Übersetzung wurde dann anhand identischer Kriterien beurteilt. Übersetzt wurden jeweils ein Zeitungsartikel, eine Speisekarte oder ein Kochrezept, eine Bedienungsanleitung eines Elektrogeräts, Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) eines Online-Shops sowie eine geschäftliche E-Mail. Lindemann: „Interessanterweise schnitten die Übersetzungen von Speisekarten und Kochrezepten noch mit am besten ab, wahrscheinlich, weil nur einzelne Wörter und kurze Sätze zu übersetzen waren.“ Ganz eindeutig minderwertig waren die Resultate der Übersetzungen von Bedienungsanleitungen, AGB oder Zeitungsartikeln. Sie erhielten die Gesamtnote 5. Die Übersetzungen von geschäftlichen E-Mails, die in der Analyse zumindest die Gesamtnote 3-4 erhielten, hatten ganz eigene Haken: So übersetzte das System zum Beispiel die Uhrzeit für eine Verabredung nicht korrekt aus dem Englischen: Aus „8 p.m.“ im Ausgangstext wurde in der deutschen Übersetzung 8.00 Uhr – dabei wäre dies korrekt mit 20.00 Uhr zu übersetzen. Lindemann: „Man kann bei Google Translate nie sicher sein, ob man der Übersetzung auch vertrauen kann. Dazu gibt es zu oft Fehler.“



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